Januar 11, 2020

Auszeit im Welpentraining

​Immer wieder erkläre ich Kunden im Welpentraining, dass es hin und wieder sinnvoll ist, über eine Auszeit den Welpen kurz herunter zu fahren und somit wieder etwas Entspannung in das Zusammenleben zu bringen.

Da jedoch - besonders für Ersthundehalter - das Konzept der Auszeit neu ist und auch sonst im Hundetraining nicht überall bekannt ist, möchte ich in diesem Beitrag erklären, was damit gemeint ist und wie ​du es bestmöglich umsetzen kannst.​

Was ist eine Auszeit

Unter einer Auszeit - besonders im Welpentraining, aber hin und wieder auch im Training mit sehr erregten erwachsenen Hunden - versteht man eine kurze (!!!) Zeit, die der Hund getrennt von seinem Menschen verbringt. Entweder in seiner Box, hinter einem Tür-Gitter oder sogar in einem anderen Raum. Diese Auszeit wird immer mit einem Signal - wie z.B. Schluss oder Pause - angekündigt.

Achtung: Natürlich ist es immer die erste Wahl, durch Training ein erwünschtes Verhalten bei deinem Welpen zu erzielen, so dass du gar keine Auszeit nutzen musst! Merke dir also, dass die Auszeit niemals die erste Wahl im Hundetraining sein darf, sondern immer erst im zweiten Schritt genutzt werden sollte!

Die Auszeit ist eine Erste-Hilfe Maßnahme im Zusammenleben mit deinem Welpen, die du in Notfällen einsetzen kannst. Manch Training dauert einfach seine Zeit und bis dahin müssen wir den Alltag ja trotzdem bewältigen, daher kann man dann auf eine Auszeit zurück greifen.

Wann nutzen wir die Auszeit?

Die Auszeit wird dann genutzt, wenn dein Welpe ein unerwünschtes Verhalten zeigt, welches du akut nicht unterbrochen kriegst. Nahezu jeder, der einen Welpen hat oder hatte, kennt das beißen in Hände, Beine, Hosen und Füße. ​Was machst du aber nun, wenn dein Welpe auf dein "Au" nicht loslässt oder sogar denkt, das beißen sei ein lustiges Spiel?

Genau dann nutzen wir die Auszeit!

​Wenn dein Welpe nun z.B. in deine Hand beißt, und dein positiver Unterbrecher nicht funktioniert und dein Welpe auch auf andere positiv aufgebauten Signale nicht reagiert, ist es Zeit für eine Auszeit. Du kündigst dem Welpen mit deinem Wort "Schluss"/"Pause" die Auszeit an, und er hat die Möglichkeit sein Verhalten abzubrechen.

Wenn er mit dem unerwünschten Verhalten aufhört - super! Lobe deinen Welpen!

Wenn er weiter macht, nimmst du deinen Hund und bringst in sanft, aber bestimmt hinter ein Türgitter, in seinen Korb, auf seine Decke oder du gehst aus dem Raum raus. Circa nach einer Minute (ja, nicht länger!) gibst du deinem Welpen eine neue Chance und lässt ihn wieder zu dir oder du gehst zurück in den Raum. Wenn er erwünschtes Verhalten zeigt, nutze dies und lobe ihn und verbringe eine schöne Zeit mit deinem Welpen. Wenn er jedoch sein unerwünschtes Verhalten erneut zeigt, geht das Prozedere mit der Auszeit von vorne los! Du gibst dein Signal und separierst daraufhin den Welpen von dir. 

Diesen Ablauf machst du so lange, bis dein Welpe nach dem Zusammenkommen mit dir nicht mehr in sein unerwünschtes Verhalten verfällt! Dies kann durchaus einige Wiederholungen dauern. Der eine Welpe ist nach der ersten Auszeit entspannter und zeigt das unerwünschte Verhalten nicht mehr - der andere Welpe braucht aber auch schon einmal 8 oder mehr Wiederholungen.

Fehlerquellen

Natürlich kann auch bei der Auszeit das ein oder andere schief laufen. Wie immer in der Hundeerziehung lauert die ein oder andere Stolperfalle und manche Welpen werden auch sehr kreativ in ihrem gezeigten Verhalten.

1) Dein Welpe schläft in der Auszeit ein: Super! Freu dich darüber, vermutlich war dein Welpe schon vorher übermüdet und hat deshalb unerwünschtes Verhalten gezeigt. Sorge künftig dafür, dass dein Welpe etwas früher an seine benötigte Ruhe kommt.

2) Dein Welpe fängt direkt nach dem reinkommen wieder mit dem unerwünschten Verhalten an: Neben der Wiederholung der Auszeit überlege dir gut, wie du das Verhalten deines Welpens sinnvoll umlenken kannst. Spiele z.B. mit einem Zergel mit ihm in das er reinbeißen kann, damit er nicht mehr in deine Beine zwickt. Oder übe mit ihm Futter suchen, um ihn ruhig und konzentriert zu beschäftigen. Es gibt viele, viele tolle Möglichkeiten hierbei!

3) Dein Welpe randaliert während der Auszeit: Warte einen Moment ab, in dem dein Welpe kurz ruhig ist, bevor du die Auszeit beendest. Dieser Moment kann zu Beginn gerade mal eine knappe Sekunde kurz sein - wichtig ist, dass du erst in diesem Moment wieder den Kontakt zu deinem Welpen aufnimmst. Und diese Sekunde kommt bei jedem Welpen vor! Wenn du die Auszeit während des Randalierens beendest, lernt dein Welpe vermutlich leider nebenbei, dass er mit diesen Randalen zum Erfolg kommt und zeigt dieses Verhalten verstärkt.

4) Du willst deinen Welpen in die Auszeit bringen, aber er macht ein Fang-Spiel daraus: Wenn dein Welpe dieses Verhalten zeigt, ist es an der Zeit eine Hausleine zu nutzen. Dann kannst du deinen Welpen entspannt und kommentarlos in die Auszeit bringen.

Fazit

Eine Auszeit kann dir und deinem Welpen enorm helfen. Jedoch sollte sie niemals als selbstverständlich angesehen werden und auch nicht zum täglichen Training gehören! Eine Auszeit sollte eine Ausnahme sein und lediglich die Zeit überbrücken, bis du mit deinem Welpen ein erwünschtes Verhalten trainiert hast! Daher lass die Auszeit niemals zu lange werden, als Faustregel kann man circa eine Minute nennen!


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Tags

Auszeit, Time-Out, Welpen, Welpenkurs, Welpentraining


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