Oktober 14, 2019

Training – Herzlich Willkommen im Alltag!

Oft stellen mir Hundehalter die Frage, wie oft sie denn nun mit ihrem Hund trainieren müssen, damit es funktioniert? Und wie lange dauert das Training, bis der Hund alles kann?

Kein seriöser Trainer kann diese Fragen präzise beantworten, denn es gibt viele Faktoren, die das Hundetraining beeinflussen. Heute möchte ich auf einen dieser Faktoren eingehen, die in meinen Augen das Training mit am meisten beeinflussen: den Alltag mit deinem Hund.

Darüber, wie Training funktioniert und was ​du alles ​machen kannst, damit ​dein Hund auch das lernt, was du möchtest. Wir unterschätzen dabei aber oft, wie stark der Erfolg des Trainings davon abhängt, wie wir im Alltag mit unseren Hunden umgehen. 

Natürlich macht es hierbei einen großen Unterschied, ob du ein Alltags-Signal wie z.B. Sitz oder Bleib trainierst oder ob es in deinem Training z.B. um das Training im Agility oder Obedience geht. Bei letzterem wirst du vermutlich zu festen Zeiten dein wöchentliches Training haben und eventuell auch zwischendurch sehr spezifische Verhaltensweisen trainieren, die im Alltag oft irrelevant sind.

Signale im Alltag

Wenn es aber nun um das Training von Signalen geht, die wir für den Alltag benötigen, sieht das schon ganz anders aus. Wenn du deinem Hund ein neues Signal beibringst, geschieht das zu Beginn oft in einer speziellen Trainingssituation - vielleicht in der Hundeschule oder du nimmst dir Bewusst Zeit hierfür. Spätestens, wenn dein Hund die Signale in Ansätzen verknüpft hat, starten die meisten Hundehalter damit, diese auch im Alltag zu nutzen.

Schauen wir uns aber mal an, was dabei sehr oft passiert. Du hast mit deinem Hund ein schönes Sitz auf Signal trainiert. Dein Hund hat im Training gelernt, dass das Signal "Sitz" bedeutet, dass er sich hinsetzen soll und dort so lange sitzen bleiben soll, bis du ein Auflöse-Signal gibst. Das hat in den Übungseinheiten auch sehr gut funktioniert und dein Hund bleibt ruhig und entspannt sitzen, bis du ihm dein Auflösesignal gibst und er etwas anderes machen kann.

Nun geht es aber spätestens am nächsten Tag in den Alltag - du weißt, wie schön dein Hund schon das Signal "Sitz" kann und setzt es direkt einmal ein. Dein Hund soll sich kurz hinsetzen, damit du deine Schuhe vor dem Spaziergang anziehen kannst. Nun passiert aber folgendes: Dein Hund ist aufgeregt weil es gleich spazieren geht. Du freust dich auch auf den Spaziergang, öffnest die Tür und los gehts. Aber hast du da nicht eine Kleinigkeit vergessen? Genau, du hast kein Auflösesignal gegeben, wie du es vorher so schön geübt hast, sondern bist einfach los und dein Hund ist mitgekommen.

Wenn dir das ausnahmsweise einmal passiert, wird es sich nicht großartig auswirken - wenn du aber regelmäßig vergisst, dein Auflösesignal zu nutzen - und glaub mir, das passiert im Alltag ganz einfach - wird dein Hund irgendwann lernen, das er aufstehen darf wann er will.

Belohnung von erwünschtem Verhalten

Ebenso achten wir ja im Training sehr penibel darauf, dass wir den Hund für erwünschtes Verhalten belohnen um dies zu verstärken. Doch wie sieht es bei dir im Alltag aus? Dein Hund wird vermutlich sehr oft Verhalten zeigen, was du gut findest. Er liegt ruhig zu Hause in seinem Körbchen, setzt sich hin was du willst, benimmt sich wenn Besuch kommt - und wie oft belohnst du dieses Verhalten? Hin und wieder wirst du deinem Hund dafür Aufmerksamkeit schenken - aber reicht das aus?

Wenn wir uns hingegen anschauen, wie oft du vermutlich reagierst wenn dein Hund etwas machst, was du nicht haben willst - dein Hund bellt wenn es klingelt, dein Hund springt an dir hoch wenn du etwas zu essen hast etc. Meistens sprechen wir dann den Hund an um das Verhalten abzustellen - und schenken ihm damit Aufmerksamkeit.

Du siehst, es kann im Alltag sehr schnell zu einem Ungleichgewicht kommen zwischen Beachtung von unerwünschtem Verhalten und Nicht-Beachtung von erwünschtem Verhalten. Dies führt dann oft zu einer Verstärkung des unerwünschten Verhaltens. Doch was tun?

Lernen passiert immer

Wenn dir bewusst ist, dass dein Hund immer lernt - 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, hilft dir das schon sehr, den Alltag mit deinem Hund zu strukturieren.

Daher lege ich mein Training mit den von mir gecoachten Teams immer so aus, dass wir im Alltag trainieren. Denn genau dort brauchen wir später auch das Ergebnis. Egal ob es um Welpentraining oder um Training von unerwünschtem Verhalten geht, ich versuche die Trainingssituation von Anfang an so alltagsnah wie möglich zu gestalten​. Natürlich ​kann es zu Beginn​ helfen, erst einmal auf einem abgelegenen, eingezäunten Platz zu trainieren, aber genauso gut kann man ​im Alltag starten und dort trainieren, wo man auch täglich die Chance hat zu üben. Zu Beginn solltest du dir also einen ablenkungsarmen Ort suchen - dies kann ein eingezäunter Hundeplatz sein, aber genauso gut ein abgelegener Spazierweg mit wenig Betrieb. Spätestens, wenn die Grundlagen sitzen musst du dich jedoch rein in den Alltag wagen, da es sonst fast unmöglich ist das gelernte auch zu generalisieren.

Wenn du immer nur in der Abgeschiedenheit eines eingezäunten Platzes trainierst, bist du vielleicht überglücklich wie toll dein Hund dort hört - im Alltag jedoch klappt es oftmals überhaupt nicht. Daher empfehle ich immer den Weg, direkt im Alltag zu starten und ​sich dort nach und nach die Herausforderungen zu suchen. Starte in Ruhe ohne Ablenkung und überlege dir dann die nächste Steigerung.

Herausforderungen im Alltag

Die größte Herausforderung im Alltag ist, dass viele Dinge plötzlich und unvorhergesehen passieren. Unabhängig davon, dass du vielleicht nicht immer mit den Gedanken nur bei deinem Hund bist kannst du auch oft nicht beeinflussen, ob und welcher Hund um die Ecke biegt oder ob plötzlich eine Katze auf dem Weg sitzt. Du kannst auch nicht beeinflussen, ob ein Reh dir über den Weg läuft oder du himmlische Ruhe und Einsamkeit im Wald vorfindest. Daher solltest du dich von Beginn an im Training ​diesen Situationen auch ausetzen - am besten unter Anleitung und sorgsam dosiert. Denn dann schockiert dich auch der Alltag nicht mehr!

Fazit

Du siehst also, Training findet immer statt - und besonders im Alltag! Damit dir dies nicht zum Verhängnis wird - du es im Gegenteil sogar bewusst nutzt, achte darauf von Anfang an wohl dosiert im Alltag ​zu trainieren!

Je mehr schöne Erlebnisse du mit deinem Hund im Alltag erlebst, desto besser wird die Bindung zwischen dir und deinem Hund und du kannst allen Herausforderungen gelassen entgegen sehen.

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Tags

Grunderziehung, Hundetraining


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