Mai 20, 2019

Bindung zwischen Mensch und Hund

​Selbstverständlich ist es das große Ziel der meisten Hundehalter, eine gute Bindung zu ihrem Hund aufzubauen und zu erhalten. In nahezu jedem Analysegespräch werde ich gefragt, ob das unerwünschte Verhalten des eigenen Hundes wohl an der fehlenden Bindung liegt. Offensichtlich ist eine große Angst vieler Hundehalter, dass sie eine schlechte Bindung zu ihrem Hund haben. Wir Menschen binden uns sehr eng an unsere Hunde und haben so die Hoffnung, dass Hunde dies andersrum ebenso machen. 

Oft ist auch in den Köpfen der Menschen verankert, dass durch eine gute Bindung alles unerwünschte Verhalten sofort verschwindet und Training nicht mehr nötig ist. Hier wird oft Bindung mit Benehmen gleichgesetzt. Da dieses Thema so präsent in den Köpfen der meisten Hundehalter ist, widme ich heute ein Blogbeitrag dem Thema Bindung.

Was ist Bindung?

Als erstes jedoch müssen wir uns einmal klar machen, was Bindung genau ist und was sie für das Zusammenleben mit den Hunden bedeutet. Natürlich bin ich kein Bindungsforscher und versuche hier den Beitrag möglichst praxisnah zu gestalten. ​

Bindung als Begriff kommt aus der Bindungstheorie und der Forschung hierzu und bezeichnet in erster Linie eine enge emotionale Beziehung zwischen Menschen. Inzwischen ist jedoch auch erforscht worden, dass auch Hunde in der Lage sind, solch enge emotionale Beziehungen zu Menschen aufzubauen, ebenso ist es möglich als Mensch eine solche Beziehung zu Hunden aufzubauen. Es ist also möglich, eine Bindung zwischen Mensch und Hund aufzubauen. Es gibt jedoch einige Voraussetzungen, unter denen dies geschieht.

In erster Linie lernen Hunde während der Sozialisationsphase, also im Welpenalter, auf Menschen sozialisiert. Nur wenn dies geschieht, ist es für einen Hund möglich, überhaupt den Menschen als Sozialpartner anzusehen und damit eine Bindung aufzubauen. Wenn dein Hund also im Welpenalter viele gute Erfahrungen mit Menschen gemacht hat - ja sie in erster Linie überhaupt kennen lernen durfte, hast du gute Chancen, dass dein Hund in der Lage ist, eine emotionale Beziehung zu dir aufzubauen. Sollte dein Hund jedoch die ersten Lebenswochen oder sogar Lebensmonate ohne Kontakt zu Menschen oder mit vielen schlechten Erlebnissen mit Menschen verbracht haben, wird es schon deutlich schwieriger. Dein Hund wird dennoch lernen können, dass du als Mensch toll bist, ob er jedoch in der Lage ist, eine emotionale Beziehung zu dir aufzubauen ist nicht klar, wenn ihm die Sozialisation auf Menschen verwehrt wurde.

Du siehst also, es gibt Komponenten, die du nur sehr bedingt beeinflussen kannst, nämlich die ersten Wochen im Leben deines Hundes. Prinzipiell hat man daher also bessere Chancen, eine gute Bindung zu einem Hund der optimal auf Menschen sozialisiert wurde aufzubauen, als auf einen Welpen der dieses Glück nicht hatte.

Bindung zu einem oder mehreren Menschen

Wir haben also gesehen, dass es grundsätzlich möglich ist, dass Hunde eine enge Bindung zu uns aufbauen. Nun gibt es Hunde, die zu mehreren Menschen in ihrem engen Umfeld eine enge Bindung aufbauen, und es gibt die 1-Mann/1-Frau Hunde, die nur zu einer Person eine Bindung aufbauen und zu anderen Menschen höchstens ein freundliches Miteinander haben. Zu welcher Sorte dein Hund gehört wirst du wissen. Meine Hündin z.B. hat enge Bindungen zu mehreren ihr sehr vertrauten Menschen. Ihr würde es vermutlich nicht schwer fallen, wenn sie von mir zu einem ihrer anderen Bindungspartner ziehen würde. Es gibt aber auch Hunde, die extrem auf eine Person gebunden sind und denen ein Personenwechsel sehr, sehr schwer fallen wird. Für den einen Hund ist daher ein neues Zuhause kein großes Thema, da er sich schnell an andere Menschen bindet, für andere Hunde ist dies hingegen nicht unmöglich, aber sehr viel schwerer. Hunde sind Individuuen und jeder ist da anders!

Woran erkenne ich eine gute Bindung?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, denn jeder Hund und jeder Mensch ist ein Individuum und somit auch das Zusammenspiel oftmals sehr unterschiedlich. Es gibt einige Anzeichen, die auf eine gute Bindung hindeuten können, aber eben nicht müssen. So wird viel kuscheln und Kontaktliegen oft einer guten Bindung zugeschrieben. So wird aber ein Berner Sennenhund im Hochsommer bestimmt nicht ständig mit dir Kontaktliegen machen - es ist ihm viel zu warm dafür. Trotzdem ist die Bindung dann im Hochsommer nicht schlechter als im Winter! Ebenfalls liebt meine Hündin z.B. das Kontaktliegen, ​im Hochsommer sucht sie sich jedoch meist ein abgelegenes, kühles Plätzchen. Manche Hunde lieben es auch, ihre Menschen abzuschlecken - man könnte daraus auf Pflegeverhalten und eine soziale Aktivität schließen, manchen Hunden schmeckt es aber z.B. auch nur gut oder sie haben gelernt, damit mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Auch ständige Aufmerksamkeit deines Hundes, sowohl drinnen als auch draußen, hat nicht unbedingt etwas mit eurer Bindung zu tun. Der eine Hund hat dies von Welpe an beigebracht gekriegt und führt dieses Verhalten nun sehr zuverlässig aus. Der nächste Hund ist rassetypisch darauf selektiert und führt dieses Verhalten aus. Der dritte macht es vielleicht aufgrund einer tollen Bindung, und der vierte guckt dich nie an draußen, ist aber als z.B. Herdenschutzhund auch nicht dafür gezüchtet worden. Alle diese Hunde können - müssen aber nicht eine tolle Bindung zu ihrem Menschen haben!

Bindung und Gehorsam

​Wie Eingangs bereits beschrieben, ​kommt im Training oft die Frage auf, ob der eigene Hund nicht hört weil die Bindung so schlecht ist. Doch das eine hat mit dem anderen nur bedingt etwas zu tun. Zu einem Hund, der die gegebenen Signale befolgt, gehört mehr als eine gute Bindung. Es gehört ein hundegerechtes Training dazu, dass der Hund überhaupt in der Lage ist, unsere menschlichen Signale zu verstehen. Wenn ich weiß, wie ich einen Hund über positive Verstärkung trainieren kann, ist es mir oftmals möglich, einem fremden Hund innerhalb kürzester Zeit ein Signal beizubringen - ich habe aber gewiss keine Bindung zu diesem Hund aufgebaut in wenigen Minuten! Bindung und Training sind unterschiedliche Dinge!

Wie baue ich eine gute Bindung auf?

Was ist nun aber wichtig dafür, eine gute Bindung zu dem eigenen Hund aufzubauen? Setzen wir einmal voraus, dein Hund ist durch seine Aufzucht in der Lage, eine Bindung aufzubauen. Dann gibt es einige Faktoren, die du selbst beeinflussen kannst. Erst einmal ist Zeit ein wichtiges Thema. Eine Bindung baut sich nicht über wenige Tage auf, sondern braucht Wochen bis Monate um stabil und eng zu werden. Wenn du deinen Hund also erst sehr kurze Zeit hast, wird die Bindung natürlicherweise noch nicht sehr eng sein. Nach und nach wird sich dies jedoch unter einigen Voraussetzungen immer mehr einstellen. Wichtig ist, dass der Hund zum Aufbau und auch zur Erhaltung der Bindung sehr viele gute Erfahrungen mit uns macht. Hierbei geht es um ein vertrauensvolles Verhältnis, ein Hund der sich auf uns verlassen kann und auch sicher fühlt. Grundvoraussetzung ist natürlich erst einmal, dass alle Grundbedürfnisse des Hundes gestillt sind. Dazu gehört gutes Futter und Wasser in ausreichender Menge, artgerechte Haltung und Beschäftigung. Ein Hund der täglich 5 Stunden am Fahrrad laufen muss ist meist ebensowenig artgerecht ausgelastet wie ein Hund der am Tag nur den Balkon oder den Garten sieht und niemals spazieren geht. Aber auch hier ist jeder Hund ein Individuum und für jeden Hund gelten andere Voraussetzungen. Wenn die Grundbedürfnisse also gestillt sind, dann geht es um einen vertrauensvollen und tiergerechten Umgang mit deinem Hund.

​Dein Hund sollte sich auf dich verlassen können, das heißt es braucht Regeln und Strukturen. Diese sollten jedoch nicht mit Zwang und Gewalt durchgestzt werden, sondern durch gutes Training und Geduld und Konsequenz. Ebenso sollte jedes Training ein tolles Erlebnis für den Hund werden und positiv aufgebaut werden. Das Training über Marker Signale hilft dabei ebenso wie ein sorgsam geplantes Training ohne den Hund zu überfordern. Auch vom Menschen unerwünschtes Verhalten kann mit Hilfe von gutem Training abtrainiert werden und ein erwünschtes alternatives Verhalten auftrainiert werden. All dies hilft dir sehr, eine gute Bindung zu deinem Hund aufzubauen.

Fazit

Es geht nicht darum, ob dein Hund perfekt hört oder brav ist, wenn man die Bindung beurteilen will. Es gibt wie oben angesprochen viele Dinge, die zu einer guten Bindung beitragen können und die du im Alltag ganz einfach umsetzen kannst.

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Tags

Bindung, Hundetraining, Markertraining


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